Über mich

Ich bin Jörg, Ende 50, von Beruf Steuerberater – tagsüber sorge ich also dafür, dass Zahlen dort landen, wo sie hingehören. Aber schon als Kind hatte ich einen heimlichen Fluchtplan: Immer wenn irgendwo ein Segelschiff am Horizont auftauchte, blieb ich stehen und schaute. Windjammer hatten es mir besonders angetan – diese Dinger mit ihren endlosen Segeln wirkten auf mich wie fahrende Kathedralen. Nur: An Bord kam ich nie. Landratten-Schicksal.

Bis mich der Zufall eines Tages auf die Segelyacht entfernter Bekannter verschlug. Ich erinnere mich noch genau an dieses Gefühl in der ersten Sekunde an Bord – so eine Art Klick im Kopf, der sagte: „Ah. Da bist du ja. Wo warst du die letzten 30 Jahre?” Seitdem versuche ich, so oft es geht aufs Wasser zu kommen.

Mein Segellehrmeister – ein ehemaliger Geschäftspartner mit jahrzehntelanger Erfahrung – hat mich, nachdem ich ihm mit leuchtenden Augen von meinem ersten Mal berichtet hatte, kurzerhand unter seine Fittiche genommen. Von ihm habe ich das gelernt, was in keinem Lehrbuch so richtig rüberkommt: Segeltrimm, Taktik, echte Seemannschaft, vorausschauendes Handeln und Crewführung. Wir diskutieren bis heute viel über alles, was mit Segeln zu tun hat. Ein geflügeltes Wort zwischen uns: „Ich brauche vorne mehr Bauch!” – wer schon mal Segel getrimmt hat, weiß, wovon wir reden, wer in den Spiegel schaut, wovon wir nicht reden.

Irgendwann reichte mir das Mitsegeln nicht mehr, ich wollte selbst Verantwortung übernehmen. Also folgte Schein auf Schein: die Bootsführerscheine SBF See, SBF Binnen und SKS, dazu die Funkscheine UBI, SRC und LRC – und, damit ich im Ernstfall auch fachgerecht Alarm schlagen kann, den FKN, liebevoll „Pyroschein” genannt. Mittlerweile arbeite ich am SSS, die praktische Prüfung ist schon geschafft. Ich sammle offenbar nicht nur Belege für Mandanten, sondern auch jede Sorte Schein, die sich dem Sportbootfahrer bieten.

Seit gut zehn Jahren chartern meine Frau und ich gemeinsam – was als vorsichtiges Testwochenende begann, wurde ziemlich schnell zu zwei fest eingeplanten Wochen im Jahr. Unser Revier: meistens die Niederlande – Ijsselmeer, Wattenmeer, Friesische Inseln –, aber auch die Ostsee und einmal der griechische Dodekanes standen schon auf dem Plan. Ohne meine Frau war ich zusätzlich häufig auf der Ostsee und im Mittelmeer unterwegs.

All diese Jahre, all diese Reviere, all dieses Wissen – und trotzdem waren wir bislang immer nur zu Gast auf fremden Kielen. Jetzt soll es was Eigenes mit deutlich mehr Segelzeit werden. Noch stehen wir am Anfang dieses (Segel-)Wechsels. Ich lade euch ein, uns bei diesem Projekt zu begleiten.

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